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Im Glück schwimmen

(Traduction en français voir ci-dessous)

Wenn man sich im runden, extraheissen Whirlpool neben dem Nordischen Pavillon am Rande bäuchlings über die wild sprudelnden Blasen legt und den Kopf auf die unter dem Kinn verschränkten Arme stützt, hat man den Blick auf das Glück, das zwischen den Naturkieselsteinen spriesst: Hellgrüne Kleeblättchen wachsen hier, aber da ich die Brille nicht dabeihabe, kann ich nicht erkennen, ob es tatsächlich ein vierblättriges darunter hat. Das macht aber nichts, denn mein Glück weiss ich in diesem Moment so oder so zu schätzen, gönnen mein Mann und ich uns doch wieder einmal, wie fast jedes Jahr in dieser Saison, einen Besuch im Thermalbad und eine Übernachtung im dazugehörenden Grand Hôtel, seit ein paar Jahren meistens in Lavey-les-Bains. Zugegeben, für uns ist das ein Luxus, aber wir erlauben uns das anlässlich unseres Hochzeitstages. Schliesslich konnten wir schon 32 solche feiern und gedenken, wenn es nach unseren Wünschen oder dem Gutdünken der Schöpfung geht, noch mindestens weitere 32 auszukosten.

Als wir vor fast zwanzig Jahren noch in der Westschweiz, im Kanton Waadt, wohnten, waren wir öfters in Yverdon-les-Bains für unser Wochenende zu zweit, «en amoureux» wie man auf Französisch so schön sagt, aber seit wir in Frankreich beheimatet sind, liegt Lavey-les-Bains mit seinen Bädern von 1600 Quadratmetern eher auf unserem Weg.

Lavey-les-Bains ist, von der Umgebung her, viel eindrücklicher als Yverdon, weil man den direkten Blick auf die sehr nahen Felswände, inklusive flatterndes Schweizer Fähnchen in Zahnstochergrösse, und auch auf die verschneiten Berge hat. So kann man in einem der zahlreichen Sprudelbetten entspannt auf dem Rücken liegen und die geschwungenen Steinschichten bewundern, sich dabei an die Geologie-Exkursionen und den etwas speziellen, alten Geographie-Lehrer im Gymnasium erinnern oder man kann auf der anderen Seite zu den Bergen hinaufstaunen, sich an den bunten Herbstfarben des Waldes erfreuen wie auch an den leicht schneeüberpuderten Tannenspitzen auf dem letzten Drittel des Gipfels. Je nachdem, welches Bassin und welche Temperatur (32° – 36°) man auswählt, ist die Aussicht wieder ganz anders. Im ovalen kleinen Sprudelbecken vis-à-vis vom Hotel und vom Restaurant sieht man z.B., den kleinen Ort Vérossaz auf der Anhöhe, mit einer Kirche noch mitten im Dorf … wie auf einer Postkarte.

Übrigens, wie auf der Webseite der Bains de Lavey nachzulesen ist, stammt das Wasser für die Bäder von der heissesten Quelle der Schweiz (62° bis 70°) und es wird aus einer Tiefe von bis zu 600 m zu den Bädern gepumpt. Neben den verschiedenen Whirlpools gibt es auch diverse Massagedüsen auf unterschiedlichen Höhen, Schwanenhälse (Duschen) und einen Bereich mit starker Strömung für gute Schwimmer.

Da wir unsere kleine Auszeit diesmal von Freitag auf Samstag geniessen, sind auch nicht allzu viele andere Badegäste da. Es hat somit Platz genug, sich abwechselnd ins Schlepptau zu nehmen und kreuz und quer durch die dampfenden Schwaden zu waten, dabei hie und da an einem vertrauten Ohr zu knabbern, zärtlich in den kräftigen Nacken zu beissen oder leicht wehmütig die letzten verbliebenen Löckchen zu kraulen. Dabei lassen sich Badegäste jeden Alters beobachten, jüngere und ältere Paare, mit und ohne Haare, Familien mit Kindern, Frauen- und Männergrüppchen, schmusende Turteltäubchen. Da und dort hangelt sich ein Jüngling unter den Aluminiumstegen, die die verschiedenen Becken überbrücken, an einer Stange hoch und lässt kurz die Muskeln spielen. Ein interessanter Anblick, tatsächlich, das sieht frau mit über Fünfzig auch ohne Brille!

Beim Einnachten wird die Stimmung in den Bädern zauberhaft, da das Licht unter Wasser von Grün zu Blau und Rot wechselt. Als die Nacht ganz hereinbricht, lassen der Dampf und das fahle Lichterspiel die Pinienbäume rund um die Becken gar etwas unheimlich wirken. Werwölfe aber meiden heisses Wasser bestimmt. Und schliesslich ist da auch noch das stark vermummte, mit dicken schwarzen Handschuhen, Mützen und leuchtend gelben Westen ausgestattete Überwachungspersonal, das in meiner Phantasie jedes Rudel lahmlegen würde.

Wenn man ein Pauschalangebot mit einer Übernachtung bucht, bekommt man Bademäntel und Hausschuhe zur Verfügung gestellt, wird auf einen Willkommensdrink eingeladen, hat beliebigen Zutritt zu den Bädern, dem Nordischen Pavillon (Sauna, Ruheliegen), dem Pavillon Sérénité (Farbtherapie, Fussbäder) und dem Orientalischen Raum (Hammam), erhält eine Ermässigungskarte für kulturelle Besichtigungen in der nahen Region und kann sich mit einem Aufpreis für Massagen und fürs umwerfende Abendbuffet einschreiben.

Dieses Buffet ist wirklich ganz ausgezeichnet! Da ich in meinem Alltag jeden Tag selber koche, schätze ich es sehr, einmal im Jahr mit einer so grossen Auswahl an Vorspeisen, Hauptspeisen und Desserts verwöhnt zu werden. Ein wahres Schlaraffenland! Und das Personal ist ausgesprochen freundlich und zuvorkommend. Auch das Frühstücksbuffet mit Frischprodukten am anderen Tag ist exzellent und überaus reichhaltig. Zudem wird es im wunderschönen historischen Saal unter einem riesigen Leuchter angeboten.

Dass das Grandhotel für sein gesamtes Angebot nur als Dreistern-Hotel eingestuft ist, bleibt mir persönlich ein Rätsel, obwohl mir schon bewusst ist, dass solche Einstufungen nationalen Standards entsprechen. Als Gast gebe ich dem Hotel gerne die Höchstnote und schenke ihm auch ein überzeugtes Like auf seiner offiziellen Facebook-Fanseite!

Nur etwas kann man im Thermalbad nicht: sich im Wasser auf dem Laptop Notizen für den nächsten Blog-Artikel machen! Man muss sich deshalb alle Bilder bewusst einprägen und sich den ganzen Text bereits im Kopf zurechtlegen. Ein gutes Gedächtnistraining in meinem Alter, zumal in zweisprachiger Fassung!

Copyright Anja Siouda

Übersetzung ins Französische, siehe unten

Traduction en français, voir ci-dessous

Blick auf den Hotelpark vom Zimmer im dritten Stock aus

Nager dans le bonheur

Quand on se trouve dans le jacuzzi rond et extra-chaud à proximité du pavillon nordique et qu’on se met à plat ventre sur le bord et les bulles bouillonnantes en appuyant le menton sur ses bras croisés, on a la vue sur le bonheur qui s’épanouit entre les gravillons naturels : Des feuilles de trèfle d’un vert tendre poussent ici, mais comme je n’ai pas emporté mes lunettes, je ne peux pas distinguer s’il y a vraiment un spécimen à quatre feuilles. Mais qu’importe, de toute façon je savoure mon bonheur, comme mon époux et moi, nous nous accordons quasiment chaque année pendant cette saison un séjour aux bains thermaux et au Grand Hôtel attenant. Depuis quelques années, on se retrouve presque toujours à Lavey-les-Bains. C’est vrai que c’est un luxe pour nous, mais nous nous le permettons à l’occasion de notre anniversaire de mariage. Après tout, nous pouvions déjà en fêter 32 et avons bien l’intention, selon nos désirs ou si la providence le veut bien, d’en célébrer encore au moins 32 autres.

Quand nous habitions encore en Suisse Romande, il y a presque vingt ans, nous nous rendions souvent à Yverdon-les-Bains pour notre weekend à deux, en amoureux comme on dit si joliment en français, mais depuis que nous sommes domiciliés en France, Lavey-les-Bains avec sa surface de 1600 m2 se trouve plus sur notre chemin.

Les environs des Bains de Lavey sont beaucoup plus impressionnants que ceux d’Yverdon, car on a vue sur un massif rocheux très proche, y compris sur un drapeau suisse de la taille d’un cure-dent flottant au vent. Ainsi, on peut s’étendre sur le dos dans un des nombreux lits à bulles, admirer les couches sinueuses des roches en se rappelant les excursions de géologie et le vieux professeur de géographie un tantinet excentrique du gymnase, tourner son regard admiratif vers les montagnes de l’autre côté et se réjouir à la fois des belles couleurs de l’automne dont la forêt s’est parée et des cimes des sapins saupoudrés de neige sur le dernier tiers du sommet. Selon le bassin et la température (32° – 36°) choisie, la vue en est complètement changée. Dans le petit bassin ovale avec le jacuzzi vis-à-vis de l’hôtel et du restaurant, on voit par exemple la petite commune de Vérossaz dans les hauteurs avec son église qui trône au milieu du village … comme sur une carte postale.

D’ailleurs on peut lire sur le site web des Bains de Lavey que l’eau des bains provient de la source la plus chaude de Suisse (62° à 70°) et elle est pompée jusqu’aux bassins d’une profondeur allant à 600 m. A côté des différents jacuzzis il y a aussi des jets de massage à des niveaux différents, des cols de cygne (douches) et un parcours de courant pour les bons nageurs.

Cette fois, comme nous savourons notre petite escapade de vendredi à samedi, il n’y a pas trop d’autres hôtes. Il y a donc assez d’espace pour se laisser tirer par sa tendre moitié et pour traverser les bassins de long en large en pataugeant au milieu de l’eau et de la vapeur, en mordillant de temps à autre une oreille familière, en croquant tendrement la nuque costaude ou en caressant avec un brin de nostalgie les dernières boucles qui restent, tout en observant des baigneurs et baigneuses de tout âge, des couples plus jeunes et plus vieux, avec ou sans cheveux, des familles avec enfants, des groupes de femmes et d’hommes, des tourtereaux qui se câlinent. Par-ci et par-là, un jouvenceau se suspend à une barre en dessous des passerelles en aluminium qui mènent d’un bassin à l’autre et fait jouer ses muscles. Une vue intéressante que même une quinquagénaire remarque sans lunettes !

A la tombée de la nuit, l’ambiance dans les bains devient magique, car la lumière sous l’eau passe du vert, au bleu, au rouge. Quand il fait vraiment nuit, la vapeur d’eau et le jeu des lumières pâles confèrent un aspect légèrement inquiétant aux pins plantés autours des bassins. Cependant, les loups garous évitent l’eau chaude à coup sûr. Et puis, il y a aussi le personnel de surveillance équipés (voire camouflés) de gants noirs épais, de bonnets, de passe-montagne et de vestes fluorescentes qui réussirait à paralyser toute meute.

Quand on réserve un forfait comprenant une nuit, on est équipé de peignoirs et de chaussons, invité à une boisson de bienvenue, autorisé à accéder à volonté aux bains, au pavillon nordique (sauna, lits de repos), au pavillon sérénité (chromothérapie, pédiluves), gratifié d’une carte de réduction pour des visites culturelles aux alentours et on peut, en payant un supplément, s’inscrire à des séances de massage ou au buffet époustouflant du soir.

Ce buffet est vraiment excellent ! Comme je fais la cuisine tous les jours dans mon quotidien, je l’apprécie tout particulièrement de me laisser gâter une fois par année par un tel choix d’entrées, de mets principaux et de desserts ! Un véritable pays de cocagne ! Et le personnel est particulièrement aimable et avenant. Le buffet du petit déjeuner est également excellent, riche et varié. En plus, il est présenté dans la magnifique salle historique sous un lustre impressionnant.

Je n’en reviens pas que le Grand Hôtel ne soit classé que comme établissement à trois étoiles pour l’ensemble de son offre, même si je me rends bien compte que ce classement correspond aux standards nationaux. En tant qu’hôte, j’accorde volontiers la meilleure note à l’hôtel et lui donne aussi un like convaincu sur sa page Facebook officielle.

La seule chose qu’on ne puisse pas faire aux bains thermaux, c’est de prendre des notes sur son ordinateur portable pour son prochain blog quand on est dans l’eau ! On est donc obligé de retenir expressément toutes les impressions et de rédiger le texte entier dans sa tête. Un bon exercice de mémoire à mon âge et en version bilingue en plus !

Traduction de l’allemand Anja Siouda

Vue sur le parc de l’hôtel depuis la chambre du 3e étage

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