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Witzig und mit viel Lokalkolorit gespickt!

Krimis gehören nicht zu meinem bevorzugten Genre, weder in Buchform noch in Filmen. Vor nicht allzu langer Zeit las ich aber «Venner», 2019 beim Schweizer Verlag Driftwood erschienen, den ersten Krimi, den die Autorin Franziska Hidber (www.silberfeder.ch) und der Autor Christian Ruch (www.christianruch.ch) aus einer spontanen Idee heraus zusammen schrieben und 2020 auch noch in einem Hörbuch vertonten. Da mir Interkulturelles aller Art schon immer gefiel, war ich natürlich gespannt, wie die beiden Autoren die Schweiz und Norwegen über Personen, Handlungen und Schauplätze miteinander verbinden würden. Zumal ich von Norwegen und von den nordischen Ländern allgemein kaum etwas wusste. Auch über das Sarganserland war mir herzlich wenig bekannt, geschweige denn vertraut. Was es übrigens mit dem geheimnisvollen Titel «Venner» auf sich hatte, wusste ich natürlich auch erst nach der Lektüre des Romans. Zuerst dachte ich nämlich, das sei bestimmt wieder der Name irgendeines Kommissars, der jetzt eine Romanreihe begründe, aber damit lag ich ganz falsch.

Der Auslandschweizer Reto Anrig wird tot auf der nördlichsten Landzunge Europas gefunden. War es wirklich ein Unfall auf der Nordkap-Insel Magerøya? Ja, sagen Polizei und Rechtsmedizin. Doch Selina, die Tochter des Toten, und ihr Kindheitsfreund, der junge Dorfpolizist Einar, folgen ihrem Instinkt und entdecken Ungereimtheiten und dunkle Geheimnisse – im hohen Norden ebenso wie in Retos Heimat, dem Sarganserland. (Klappentext «Venner»)

Während der ganzen 333 Seiten habe ich mich nicht nur gut unterhalten, sondern ich habe auch besonders viel über Norwegen gelernt. Es war ein spritzig-witziges Lesevergnügen ohne Blutvergiessen, in dieser Hinsicht ganz nach meinem Geschmack. Dazu passte übrigens auch das Rezept des Eplekakes, ein kulinarisches Requisit in Form eines norwegischen Apfelkuchens mit Kardamom und Zimt, das am Ende des Buches aufgeführt ist und das ich als passionierte Hobbybäckerin und mangels absehbarer Reisemöglichkeit in den Norden natürlich für das richtige Norwegen-Feeling sofort nachbacken musste.

Der Krimi enthält auch ein Glossar mit norwegischen und schweizerdeutschen Wörtern bzw. Ausdrücken, womit den deutschsprachigen Lesern ausserhalb der Schweiz bestimmt gut gedient ist. Überhaupt gefallen mir die originellen Parallelen zwischen dem Norwegischen und dem Schweizerdeutschen besonders gut. Das Schweizerdeutsche kommt nämlich, insbesondere ausgeschrieben, mitunter genauso komplex und exotisch daher wie das Norwegische.

Dass Kontiki-Reisen in der Titelei erwähnt wird, weil der Schweizer Reiseveranstalter mit Spezialgebiet Norwegen zur Realisierung des Buches beigetragen hat, kann ich mit meiner eigenen Erfahrung in der kostspieligen Buchpublikation nachvollziehen. Etwas befremdlich finde ich es allerdings, dass das Unternehmen auch tatsächlich einmal namentlich im Text erwähnt wird.

Fazit: Ein sympathischer Krimi, der mich zwar nicht atemlos, aber mit Vergnügen in zwei verschieden Welten und ein komplexes Beziehungsgeflecht hat eintauchen lassen und den ich gerne weiterempfehle.

Venner. Ein Krimi zwischen Nordkap und Sarganserland. Franziska Hidber und Christian Ruch, Driftwood 2019,

ISBN 978-3907178034

Anja Siouda, 10.12.2021

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