Das Anschauungsmaterial im Religionsunterricht …
26 April 2024

Wie man der Tigermücke den Kampf ansagt!

Bestimmt habt ihr auch schon Bekanntschaft mit der Tigermücke gemacht. Sie hat einen schwarz-weiss gestreiften Hinterleib, schwarz-weiss gestreifte Beine und ist sehr aggressiv. Bei uns war es im letzten Sommer so schlimm mit diesen Plagegeistern, dass wir hier in Frankreich am Abend überhaupt nicht mehr im Garten sitzen konnten. Sogar fürs Giessen des Gemüsegartens brauchte man einen Kampfanzug, sprich lange Hosen und Blusen plus Gartenhandschuhe!

Auch in der Stube konnten wir manchmal kaum in Ruhe auf unserem Kanapee sitzen, ständig kamen Mücken vom offenen Balkonfenster her, die uns attackierten. Und heiss genug war er ja auch wieder gewesen, der letzte Sommer. Wer möchte da am Abend nicht gerne ein kühleres Lüftchen durchs Haus wehen lassen?

So schwor ich mir, dass ich dieses Jahr ALLES tun würde, um diese Plage loszuwerden!

In einer Nachbargemeinde fand im Mai ein Informationsabend über die Tigermücke statt und daran nahm ich mit grossem Interesse und vielen Fragen teil. Zwei mit Mückenbekämpfung beauftragte Spezialisten informierten das Publikum, das leider nur sehr spärlich erschienen war, über die wirksamsten Massnahmen, um dieses Blutsaugervolk möglichst gering zu halten.

Folgendes muss man über die Tigermücke wissen: Es handelt sich um eine aus Asien stammende, urbane Mücke, keine gemeine Stechmücke. Sie ist tagaktiv, d.h. sie sticht nur morgens und abends von etwa 17 Uhr bis 22 Uhr. Im Dunkeln sticht sie nicht und sie nervt auch nicht durch ihr Pfeifen, wenn sie auf unserem Körper einen Landeplatz sucht. Wie bei den anderen Mücken sticht auch bei dieser Art nur das Weibchen, weil es Blut braucht für seinen Nachwuchs, also seine Eier. Das Männchen sticht nie. Es ist Vegetarier und ist nur für die Fortpflanzung da … und als Nahrung für Vögel und Fledermäuse. Wenn die Temperaturen hoch sind, so wie im Sommer, geht es vom Zeitpunkt des Eierlegens über das Larvenstadium bis zur ausgewachsenen Mücke 8 Tage! In einer Woche wächst also eine neue Generation heran!! Und jedes Weibchen kann während seiner Lebenszeit von etwa 30 Tagen 200-400 Eier legen! Daran denke ich jetzt immer, auch wenn ich allein mit den Händen eine Mücke totschlage. Wow, wieder 200 andere potentielle Plagegeister eliminiert, denn die Hälfte der 400 möglichen Eier sind vermutlich Männchen.

Im Garten und ums Haus herum alle möglichen Eiablagestellen eliminieren!

Wenn sich die weibliche Larve im Wasser zur erwachsenen Mücke entwickelt hat, steigt sie hinaus und sucht sich sofort ein Männchen für die Begattung. Danach sticht das Weibchen einen Menschen, saugt Blut und sucht dann einen Platz, wo stagnierendes Wasser vorkommt, um seine Eier portionenweise knapp über der Wasserfläche abzulegen. Etwa 20 am gleichen Ort. Logisch, damit die Überlebenschance gross ist, legt es nicht alle an der gleichen Wasserstelle! Zum Legen bevorzugt es scharf abfallende Ränder, wo es die Eier hinklebt. Z.B. Untersetzer voll Wasser unter einem Blumentopf, Giesskannen, alte Pneus, Rohre von Sonnenschirmständern, Ablaufrinnen, Kinderspielzeug, Aludosen und Plastikmüll, wo sich Regenwasser angesammelt hat. Eine Regentonne zum Auffangen von Wasser und so weiter.

Wenn man den Zyklus unterbrechen und somit die Mückenmenge drastisch reduzieren will, muss man also einmal pro Woche jeden Behälter mit stagnierendem Wasser leeren und am besten gleich noch mit einem Putzschwamm abschrubben, denn manchmal bleiben die Eier am Rand kleben und die Entwicklung geht einfach etwas später weiter, wenn wieder genug Wasser vorhanden ist. So überwintern die Eier übrigens. Sie bleiben einfach kleben und sobald die Temperaturen wieder um die 15 Grad sind und sich (Regen-)Wasser ansammelt, wird der Entwicklungszyklus fortgesetzt.

Regentonnen und andere offene Wasserbehälter muss man mit einem Moskitonetz überspannen (oder auch mit einem Stück Stoff oder Vorhang). Wichtig ist, dass es ein feines Netz ist, denn die Mücke braucht nur eine Öffnung von 2 mm, um hinein- und hinauszukriechen. Es gibt auch zusätzliche biologische Larvizide, die ins Regenwasser gegeben werden können.

Die wirksamste und billigste Massnahme ist es, die Eiablagemöglichkeiten zu unterdrücken, also jegliches stagnierendes Wasser unzugänglich zu machen. Wirksam ist es aber nur, wenn die Nachbarn im Quartier in einem Radius von 150 Metern auch mitmachen, denn etwa so weit fliegt die Tigermücke von ihrem «Geburtsort» her!! So ging ich am Tag nach der Informationsveranstaltung zu all meinen direkten und indirekten Nachbarn und verteilte ihnen einen Teil vom Stapel der Informationsbroschüren und Massnahmen-Check-Listen, die das spärliche Publikum, das am Abend dabei war, leider gar nicht gebraucht hatte.

Und durch diesen Blog hier hoffe ich auf eine weitere Verbreitung der Kampfmassnahmen! Klar gibt es massenhaft Informationen dazu im Internet, aber man muss sich auch die Mühe machen, sie wirklich genau zu lesen und anzuwenden!

Die Tigermücke verbreitet potentiell tödliche Krankheiten!

Abgesehen vom lästigen Juckreiz verbreitet die Tigermücke das Dengue-Fieber, Chikungunya- und Zikaviren, lauter Krankheiten die tödlich enden können. Auch hier bei uns, in Europa.

Bekämpfen wir sie gemeinsam! Es ist keine grosse Sache, stagnierendes Wasser einmal pro Woche auszukippen oder ein sehr engmaschiges Netz über die Öffnung einer Regentonne zu spannen.

Copyright Anja Siouda 30. Juni 2024

Fotos Anja Siouda

Nachtrag: Neben dem regelmässigen Auskippen von stagnierendem Wasser, das ich sehr gewissenhaft mache, habe ich eine BG-Mosquitaire Falle von Biogents gekauft, die mit wenig Strom betrieben wird und einen biologischen Lockstoff enthält, der den menschlichen Geruch imitiert, Mückenweibchen anlockt und die sie dann gefangen hält. Sie steht nun seit drei Wochen in einer Mückenruhezone, das heisst an einem Platz am Schatten in der Nähe von Gebüsch, und funktioniert! Zwanzig im Fangnetz zurückgehaltene und nach vier Stunden im Tiefkühler getötete Mücken konnte ich nach zwei Wochen (und weitere zwanzig nach einer Nachfolgewoche) unter der Lupe und mit der Pinzette in Tigermücken und normale Hausmücken sortieren / klassifizieren. Theoretisch 20×200= 400 Plagegeister weniger 😊. Ich gebe es zu, es war ein diebisches Vergnügen, die toten Viecher zu zählen …

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